Dieter Kersten - November / Dezember 2002    
Editorial    
     
 

Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

die gute Nachricht stammt vom 26. Oktober, als in Berlin und Washington viele Menschen auf die Straße gingen, um gegen die Kriegsabsichten der us-amerikanischen Regierung im Irak zu protestieren. Trotz des schlechten Wetters waren es in Berlin mindestens zehntausend Demonstranten; in Washington sollen 50 000 Menschen protestiert haben. Der Kommentar-und Informationsbrief NEUE POLITIK und die WERKSTATT FÜR DEZENTRALE ENERGIEFORSCHUNG e.V. haben in Berlin Flugblätter verteilt, die gut angekommen sind. Die Initiative für das Flugblatt der NEUEN POLITIK ging von Günter Rahm, dem Vorsitzenden des Infodienstes Aufklärung e.V. aus. Dieser Verein vermittelte auch den Kontakt zu Thomas Bauer, Vorstandsmitglied von > Bündnis für die Zukunft <, deren Flugblatt Kein Blut für Öl ich dieser Ausgabe beifüge. Ich hoffe, daß alle Unterschriftenlisten gefüllt werden. Ferner füge ich das Flugblatt der WERKSTATT FÜR DEZENTRALE ENERGIEFORSCHUNG e.V. bei, auch hier mit der Erwartung, daß viele Leser die notwendige Energieforschung, deren Ergebnisse den Rohstoff …l für unsere Energieversorgung ablösen sollen, unterstützen werden.

Zu den guten Nachrichten gehört auch, daß sich, neben den Demonstrationen, in den Vereinigten Staaten immer mehr Widerstand regt. Sie finden in dieser Ausgabe einen Beitrag des ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter und einen Kommentar anläßlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an Carter (Seite 7 ff.) Der Kontrast beider Beiträge ist gewollt.

Leser Stefan Kretschmar schickte mir die Titelseite des K…LNER STADT-ANZEIGER vom 18. Oktober. Es wird dort berichtet, daß einige hundert US-Unternehmer in einer ganzseitigen Anzeige in der NEW YORK TIMES einen offenen Brief an den Präsidenten George W. Bush veröffentlicht haben, in dem sie gegen die Kriegspläne im Irak protestieren. "Sie verkaufen Krieg, wir kaufen ihn nicht", lautet einer der Sätze.

Auf den Seiten 5 ff. finden Sie einen interessanten Beitrag von Ute Ströbel-Dettmer. Ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Beitrag Stellung beziehen soll. Ich will keine Autorenschelte betreiben. Ich bin Frau Ströbel-Dettmer sehr dankbar, daß sie mit ihrem Beitrag für eine größere Diskussionsbreite im Kommentar-und Informationsbrief sorgt. Der Bericht über Frauenrechte durch Frauenpolitik ist schon deshalb interessant, weil er sehr konservativ in Bezug auf die kulturelle Fehlentwicklung in Deutschland ist. Es scheint auf dieser ganzen Bundeskonferenz kein einziges Wort über die Mutter (und Vater) -schaft als eine Menschheitsaufgabe gefallen zu sein. Fremdbetreuung steht im Mittelpunkt. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, so habe ich eine Fremdbetreuung über Wochen als eine absolute Katastrophe erlebt. Ich halte es für sehr wichtig, ein Erziehungsgehalt für Mütter/Väter zu fordern, um eine individuelle Erziehung von Kindern möglich zu machen. Das schließt eine Fremdbetreuung (kollektive Erziehung) nicht aus, die aus dem Erziehungsgehalt individuell finanziert werden kann. Vielfalt und basisdemokratische Strukturen sind für und in der Erziehung notwendig. Zu alledem ist natürlich eine neue Geld-und Wirtschaftsordnung vonnöten, die das Horten und Spekulieren mit Geld und Boden unmöglich macht. Ich habe den Verdacht, daß diese "kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen" und auch die geforderten Ganztagsbetreuungen für Kinder mehr der Despotie der Bürokratie dienen als einer Entwicklung hin zur Freiheit.

Das alles wird nicht besser, indem PISA beschworen wird. Die mangelhafte Ausbildung und die vielfach materiell motivierte Berufsauffassung von Lehrern führt direkt zu den schlechten Noten von PISA. Ich habe überhaupt den Eindruck, daß viel zu viel von Geld die Rede ist, aber absolut zu wenig von Inhalten.

Wenn jemand gehofft hat, daß bei dem wichtigen Thema Frauenrechte eine andere Gesundheitspolitik vorkommt, der hat sich gründlich geirrt. Anstatt die Blutspur der Pharma-Industrie und die alles andere ausschließende Blutspur der Chemiemedizin zu verlassen, wird nach frauengerechten Pharma-Packungen geschrien.

Ich werde den Bericht von Frau Ströbel-Dettmer noch in zwei Fortsetzungen bringen. Ich hoffe, wie immer, auf eine rege Diskussion.

Besonders möchte ich auf den Beitrag von Prof. Dr. Johannes Heinrichs hinweisen, verbunden mit einem Aufruf von Günter Rahm und dem Diskussionsbericht der Konferenz des Vereins Infodienstes Aufklärung am 29. September in Belzig, auf den Seiten 3 ff. Auch hier hoffe ich auf eine rege Diskussion. In der Buchliste biete ich ein Buch von Prof. Heinrichs an, welches ich selber noch nicht gelesen habe. Vielleicht dient das Buch einer größeren Diskussionbreite.

Auf Seite 2 setze ich mich mit der Geiselnahme in Moskau auseinander. Die Kritik an der politischen Kultur in Rußland soll uns nicht davon abhalten, gute Beziehungen zu dem russischen Volk zu pflegen, auch über die real vorhandene russische Regierung.

In den letzten Tagen las ich einen Reisebericht der österreichischen Ärztin Dr. Eva-Maria Hobiger, die Februar 2001, 10 Jahre nach dem ersten Golfkrieg, Irak besucht hat. Was sie auf 19 DIN-A-4 Seiten schildert, stellt die Berichte über die Greuel in Tschetschenien und die Moskauer Geiselnahme in einen breiten Schatten. Frau Hobiger berichtet über die von den US-Truppen verwendeten Geschosse, deren Geschoßmäntel abgereichertes Uran enthalten, um die Durchschlagskraft der Munition zu erhöhen. Infolge der hohen Hitze pulverisierten sich die Geschosse und verstreuten flächendeckend radioaktive Strahlung. > Ein Land mit einem Teppich an Radioaktivität zu bedecken, die für alle Zeiten dort vorhanden sein wird - wie wir in der Zwischenzeit alle wissen, hat Uran 238 eine Halbwertzeit von 4,5 Milliarden Jahren - ist ein Beispiel noch nie dagewesener Kaltblütigkeit und Gewissenlosigkeit <, schreibt Frau Dr. Hobiger. Ich kann Ihnen den Bericht auf Wunsch kopieren. Ich verdanke ihn Leser Franz Vogler.

Zum Schluß und anläßlich des Weihnachtsfestes möchte ich auf die Buch-Bestelliste hinweisen. Es ist mir gelungen, zwei in vielen Zeitungen besprochene Bücher aus dem Verlag Zweitausendeins in einer größeren Stückzahl zu erwerben. Sie erhalten sonst die Bücher aus diesem Verlag nur im Direktbezug. Verschenken Sie zu Weihnachten möglichst viele Bücher und beziehen Sie bitte diese bei mir. Ich kann Ihnen fast jedes Buch mit ISBN-Nummer beschaffen. Sie können auch Geschenkabonnements für den Kommentar-und Informationsbrief NEUE POLITIK unter den Weihnachtsbaum legen.

Ich wünsche Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches Jahr 2003. Ich danke allen für die gute Zusammenarbeit. Die nächste Ausgabe des Kommentar-und Informationsdienstes erscheint im Januar 2003.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Kersten

Abgeschlossen am 15. November 2002

 
     
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