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Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,
dieses Jahr 2003 verspricht wirklich, ein spannendes Jahr zu werden.
Ob die militärisch-politischen Vorgänge um den Nahen Osten in
Deutschland nur vom heißgeliebten Fernsehsessel und/oder vom Urlaubshotel
aus konsumiert werden können und ob wir nicht im wahrsten Sinne des
Wortes betroffen sein werden, das wird sich herausstellen.
Obwohl die Zahl der Anti-Kriegs-Demonstranten erfreulicherweise zunimmt,
wünsche ich mich ein stärkeres politisches Verantwortungsbewußtsein
der Menschen in Deutschland.
Auf Seite 2 dokumentiere ich die Erklärung der sieben europäischen
Regierungschefs im Wortlaut. In der …ffentlichkeit wird immer von acht
Regierungschefs gesprochen. Das stimmt nicht. Der Achte ist der tschechische
Staatspräsident Havel, der inzwischen in den Ruhestand getreten ist.
Die Erklärung ist ein erschreckendes Dokument von politischer Inhaltslosigkeit
und es ist bestimmt durch einen ideologisch - politischen Gehorsam gegenüber
der einzigsten Weltmacht, den USA, die in der Tat in der Lage sind, uns
alle zu vernichten.
Die Nachricht über den geplanten Nukleareinsatz im Irak, die ich
im Rahmen hinzufüge, kommentiert in geeigneter Form "die wahren
Bande" zwischen Europa und den USA. Demokratie, Freiheit, Menschenrechte
und Rechtsstaatlichkeit haben in den USA mit den Indianermorden begonnen
und führen jetzt (ja, es wird nicht das Ende des us-amerikanischen
Mordens sein!) möglicherweise zu einer noch größeren nuklearen
Verseuchung der Wiege der europäischen Zivilisation, Mesopothanien,
dort, wo sich noch die Reste von Ur, der Stadt Abrahams, und Nebukadnezas
Babylon befinden.
Seit dem letzten Golfkrieg 1991, also innerhalb von fast 12 Jahren, sind
an den Folgen des Krieges im Irak 500 000 Kinder verhungert, bzw. an den
Folgekrankheiten des Hungers gestorben, und, was noch viel schlimmer ist,
an der von den US-Militärs verschossenen radioaktiven Uranmunition
krepiert. Wir leben in einem Zeitalter der Vergleiche. Vergleichen wir,
was wahrhaft nicht zu vergleichen ist?!? Die Toten von Auschwitz, Dresden,
der deutschen und der sowjetischen Gefangenenlager, und was es sonst an
individuellen oder auch an Massenkatastrophen gegeben hat, sie starben
alle schrecklich. Was es nicht gab, das war eine von christlichen US-Militärs
veranlaßte radioaktive Verseuchung, die in Hiroshima, Nagasaki und im
Irak die Menschen über Generationen verfolgen wird.
Über das Vergleichen schreibt Sabine Kehir in der Wochenzeitschrift
FREITAG vom 24. Januar u.a.: > Ein systematisches Studium des alten
Roms bietet ein fast vollständiges Schulungsarsenal über Techniken
des Volksbetrugs sowohl unter republikanischen als auch unter monarchistischen
Bedingungen, über monetäre Tricks bei Inflation oder Geldknappheit,
über multikulturelles Management von Vielvölkergesellschaften
und vieles mehr. Das in Deutschland nicht nur das Dichten, sondern auch
das historische Vergleichen nach Auschwitz unmöglich geworden zu
sein scheint, ist Ausdruck einer zweckgerichteten methodischen Selbstbeschneidung,
die vorgibt, daß der historische Vergleich angeblich Entschuldung bedeutet.
Mitnichten. Der Vergleich von Genoziden oder ethnischen Säuberungen
beinhaltet keineswegs automatisch das Freisprechen oder auch nur Verkleinern
von Schuld. Es ist die unabdingbare Voraussetzung, um den komplexen Ursachen
von Genoziden auf die Spur zu kommen. Und es ist Voraussetzung dafür,
die Opfer von Genoziden oder Massenmorden prinzipiell als gleich anzuerkennen.
<
Der us-amerikanische Kriegseintritt in die beiden Weltkriege galt genau
so wenig der Freiheit, der Demokratie, der Menschenrechte und der Rechtsstaatlickeit
wie die us-amerikanischen Kriege gegen den Irak. Die beiden Weltkriege
sollten das wirtschaftliche Potential Deutschlands und Europas empfindlich
treffen, die Kriege um den Kosovo, den Irak, um Afghanistan und in vielen
anderen Erdgegenden sind Rohstoffkriege, gegen Demokratie, gegen persönliche
Freiheit, gegen Menschenrechte und unter Verletzung jeglichen Rechtes.
Der moderne internationale Terrorismus und die Massenvernichtungswaffen
sind, historisch von Europa ausgehend, von den USA möglich gemacht
worden. Osama bin Laden und Hussein sind echte Kinder des CIA und us-amerikanischer
Diplomatie, so wie Hitler von den USA aus finanziert und teilweise hofiert
wurde. Ich halte die Völker zwar verantwortlich für ihre kriminellen
und völkermordenden Führer, aber sie haben schlechte Karten,
wenn sie nicht ausreichend gebildet und informiert sind und wenn die sozialen
Bedingungen von den Beherrschern und ihren Auftraggebern auf einem katastrophal
niedrigem Niveau gehalten werden.
Leser Dr. med. Heinz-Gerhard Vogelsang mailte mir am 25. Januar: >
Wenn Bush so perfide ist, wie es einem Völkermörder zukommt,
hat er längst Massenvernichtungswaffen im Irak versteckt und wird
sie finden, wenn der Truppenaufmarsch beendet und die Völkergemeinschaft
zuende belogen ist. < Vom gleichen Leser erhielt ich am 8. Januar
eine eMail, in der u.a. folgendes stand: > Vor einigen Wochen löste
Bush eine Propaganda-Gruppe auf, die die Welt-Medien mit Falschmeldungen
versorgte. Es sei davon zuviel durchgesickert, meldete z.B. die "Rheinische
Post"/Düsseldorf. Inzwischen wurde aber erneut eine solche Lügen-Brigade
gebildet. Darauf muß vor Meldungen aus dem Bush-Dunstkreis öfter
hingewiesen werden. <
Wie sehr die USA den UN-Sicherheitsrat versuchen zu instrumentalisieren
und zu überfahren, können Sie an den Äußerungen des schwedischen
Diplomaten Blix erkennen, der von dem US-Präsidenten Bush ständig
falsch zitiert wird. Sie finden dazu noch einen Text im Rahmen der Seite
2, den ich aus Platzmangel in diesem Editorial nicht mehr unterbringen
konnte.
In Deutschland herrschte nach diesem gemeinsamen Aufruf der acht europäischen
Regierungschefs einige Aufregung. Der Aufruf folgte dem deutsch-französischen
"Schulterschluß" zehn Tage zuvor, der nach meiner Erinnerung
als wichtigen Inhalt lediglich die Forderung nach mehr Zeit für die
UN-Inspektoren enthielt. Beide Vorgehensweisen sind der Idee eines vereinten
Europas mit gemeinsamer Außenpolitik völlig abträglich. Die
politische Sackgasse ist sichtbar geworden. Europäische Außenpolitik
war bisher nicht mehr als Zustimmung zur amerikanischen Großmachtpolitik
in Sachen Krieg um die Rohstoffe. Europa hat sich dieser Großmachtpolitik
aus Denkfaulheit und wirtschaftlicher Bequemlichkeit angeschlossen. Der
Ausweg besteht in einer aktiven militärischen Neutralität Europas
oder eines Teils davon, die sowohl den Abbau aller militärischen
Optionen als auch den wirtschaftlichen Ausgleich mit der 2. und 3. Welt
sucht. Die Chancen für eine solche Friedenspolitik sind noch nie
so groß gewesen wie jetzt. Schröders Ablehnung des Irakkrieges würde
eine politische Zukunftsdimension erreichen, wenn wir, die Europäer,
uns von der Washingtoner Kriegstreiberei absetzen. Schröder hätte
für eine solche Politik zur Zeit eine breite Unterstützung der
Deutschen. Trotzdem gehört Mut dazu, das politische Steuerrad herumzureißen.
Hat Schröder den Mut? Ich fürchte, nein.
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Kersten
abgeschlossen am 14. Februar 2003
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