Dieter Kersten - September / Oktober 2011    
 

Wenn jemand eine Reise tut,
so kann er was erzählen

 
     
 

Wenn jemand eine Reise tut,
so kann er was erzählen
Matthias Claudius
deutscher Dichter (1740 - 1815)
Reisekultur anno 2011 in Deutschland

(D.K.) Nach langer Zeit bin ich mal wieder mit der Deutschen Bahn verreist. Ich wurde in den letzten Jahren meistens im Auto mitgenommen.

Wir waren vier Personen, zwei Erwachsene und zwei Kinder. Wir hatten reichlich Gepäck. Wir fuhren 2. Klasse.

Der IC kam pünktlich. Wir hatten Platzkarten - aber wo bzw. wie sollten wir das Gepäck unterbringen? Der Platz hinter den Sitzen reicht nicht, der Platz über den Sitzen ist nur mit äußerster Kraftanstrengung zu bestücken. Haken für Mäntel sind klein und rar. Mir ist völlig unklar, wo die Menschen im Winter ihre dicken Mäntel unterbringen können, möglicherweise sogar noch Schnee-Nass. Es ist deutlich zu spüren, daß der autofahrende Bahnchef Grube noch nie mit Familie und Gepäck und Bundesbahn in den Urlaub gefahren ist. Es ist anzunehmen, daß Herr Grube die Bahnkunden nicht als Kunden sieht, sondern als „Nutzer“. Auf der Wikipedia-Seite wird behauptet, ein IC hätte immer ein Bistro. In diesem Fall war es nicht so.

Eine Woche später: Zurück nach Berlin ging die Reise in einem ICE namens Innsbruck. Der ICE wurde in Binz eingesetzt und fuhr pünktlich ab. Die Kritik, die ich am IC äußerte, betrifft auch den ICE. Es gibt im Internet eine ausführliche und komplizierte Wikipedia-Seite über den ICE, auf der berichtet wird, daß der ICE auch einen Servicewagen und einen Speisewagen haben soll. Einen Speisewagen gab es. Die kleinen preiswerten Snacks waren nicht vorrätig. Dafür gab es eine zusammengestrichene Speisekarte mit teuren Gerichten. Service-Zugdurchsagen gab es nicht, auch keinen Servicewagen, der an den Plätzen Getränke anbot.

Übrigens: Service-Personal von der Bahn sah ich weder in Berlin, in Binz und auch nicht in den Zügen.

Übernachtet haben wir im RUGARD-Strandhotel. Der Name des Hotels ist der höchsten Erhebung der Insel Rügen entlehnt, auf der einstmals die Ranenfürsten in einer heute nicht mehr existierenden Burg residierten.

Das RUGARD-Hotel hat fünf Sterne, obwohl es nicht mehr als ein reichlich aufgehübschtes FDGB-Ferienheim ist. Wir hatten zwei nebeneinander liegende separate Zimmer von je ca. 21 qm, einschließlich Toilette und Dusche, ohne Balkon. Mir ist völlig unklar, was sich Architekten und Bauherren dabei denken, wenn sie in Hotels, insbesondere in Ferienhotels, die Toiletten-/Duschräume so klein konzipieren, daß sie höchstens von einer Person belegt werden können. Wo sollen die nassen Badesachen und Handtücher hängen? Für meine Nichte mit ihren zwei Kindern waren die Probleme noch viel größer als bei mir. In der Dusche war der Haken für die Kopfbrause so hoch, daß ich sie nicht nutzen konnte. Ich bin nun mal nicht so groß. Ich mußte mit der Zweigriff-Armatur immer wieder neu mischen, um mich mit der Handbrause zu duschen. Das warme Wasser war sehr heiß, was besonders für Kinder nicht sehr gut ist.

Frühstücks - und Abendbuffet waren reichhaltig und schmackhaft. Es war nicht sehr heiß, so daß mir nur einmal auffiel, wie extrem unsinnig die Lage des Gastraumes im 6. Stock, hoch oben auf dem Gebäude, war. An einem Tag, wo es wirklich heiß war, war die Luft in diesem Raum unerträglich warm und stickig. Der Raum ist gegen Sonnenwärme nicht isoliert! Der Raum besteht fast nur aus normalem Fensterglas. Bauherr und Architekt hatten offensichtlich noch nichts vom Wärme und Kälte isolierendem Glas gehört. Auch durch Isolierglas kann man gut auf Meer und Stadt blicken.

Der Wellnesbereich hat insbesondere meiner Nichte und den Kindern viel Freude bereitet. Das Personal im gesamten Haus war freundlich.

Auf den vier Seiten gedruckten Gästeinformationen steht: Wir akzeptieren VISA, Eurocard, American Express sowie die ec-Karte mit Geheimzahl ab einem Rechnungsbetrag von 10,00 Eur. An der Rezeption hing ein Schild, daß das Haus bei Kreditkarten (also außer ec) 2 % Kostenerstattung auf die Rechnung verlangt. Ich habe mich bei Banken erkundigt: das ist eine unzulässige Forderung.

Fazit: Das Hotel hat mit Sicherheit einen Stern zu viel und ist entsprechend zu teuer.

Binz ist nach „der Wende“ ein großes, quirliges Ostseebad geworden, mit allen Vor- und Nachteilen. Geld, Geld und noch mal Geld, das ist das Motto. Bei schlechtem Wetter machten wir einen Ausflug mit dem „Rasenden Roland“, einer Dampflock mit historischen Bahnwagen. Als wir zurückkamen, regnete es heftig. Die Binzer Bäderbahn war völlig überfüllt. Noch schlimmer: die Binzer Stadtverwaltung ist offensichtlich an solchen Tagen total überfordert und nicht gäste-orientiert. Die nächste Bäderbahn kam 30 Minuten später!!

Vielleicht sollte ich noch bemerken, daß mir, dem alten Junggesellen, die Kinder große Freude machten. Meine Großnichte Lara ist neun Jahre alt und mein Großneffe Julian ist vier Jahre alt. Eine durch und durch flotte Truppe!

 
     
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